Restaurierungsarbeiten

Gesamtinstandsetzung des Innenraums, der Fassade und des Dachs der Basilika durch das Land Baden-Württemberg

Seit Mai 2021 wird an der Gebäudehülle, der Raumschale und der hochwertigen Ausstattung eine Gesamtinstandsetzung über vier Bauabschnitte durchgeführt. Im Vorfeld wurden hierfür umfangreiche Untersuchungen anhand einer Musterachse im Innenraum durchgeführt.

Die Deckenfresken von Cosmas Damian Asam im Innenraum der Basilika sind stark restaurierungsbedürftig. Die Dach- und Fassadenflächen sowie die veraltete Gebäudetechnik müssen umfangreich instandgesetzt werden. Dies realisiert das Land Baden-Württemberg in vier Bauabschnitten bis 2028.

1.Bauabschnitt 2021 – Ende 2022: Einrüsten der ersten zwei Joche im Innenraum und Beginn der Restaurierung der Deckenfresken. Ab 2022: Einrüsten der Fassadenfläche und Instandsetzung der Fassade sowie des Dachs.

2. Bauabschnitt 2023 – Ende 2024: Restaurierung der verbliebenen Joche und der Fassade des Langhauses.

3. Bauabschnitt ist geplant für Herbst 2023 – Herbst 2025 und der

4. Bauabschnitt ist geplant für Sommer 2025 – Sommer 2027.

In den letzten Jahren wurden in unterschiedlichen Abschnitten Restaurierungen an der Basilika vorgenommen.

© Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Ravensburg

© Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Ravensburg

© AeDis AG

(c) Landesamt für Denkmalpflege
Im Frühjahr 2002 wurde bei einer Baukontrolle festgestellt, dass Regenwasser in den Innenraum der Kuppel dringt. Eine Begehung des Hohlraums zwischen der mit Backstein gemauerten Kuppelschale und der Dachkonstruktion mit Kupferblecheindeckung zeigte, dass die Dachhaut im Bereich aufgenieteter Reparaturbleche Risse aufwies und die Holzspanten, die die Dachhaut tragen, durch die anhaltend eindringende Feuchtigkeit bereits von Pilzen befallen waren. Eine behutsame Reparatur der Schäden und der gleichzeitige Erhalt bauzeitlicher Befunde, die Aussagen über historische Arbeitsweise liefern, war das denkmalpflegerische Ziel. Das bedeutete eine Instandsetzung der Holzkonstruktion und Blecheindeckung an Ort und Stelle. Dabei durften die in der Kuppelschale verbauten Gerüsthölzer nicht betreten werden, da dies zu Putzabplatzungen am Fresko geführt hätte. Aus der anstehenden Instandsetzungsmaßnahme an der Dachkonstruktion der Kuppel ergab sich die Notwendigkeit, das Innere der Kuppel parallel einzurüsten. Eine Gefährdung des Malereibestandes galt es unter allen Umständen zu vermeiden. Noch vor der kompletten Einrüstung der Kuppelausmalung wurden die Malereien photogrammetrisch aufgenommen. Die digitalisierten Pläne waren Grundlage für eine Kartierung der Schäden. Eine erste Voruntersuchung an den Malereien erfolgte im Juli 2003. Zu diesem Zeitpunkt wurde der bedenkliche Erhaltungszustand der Malereien offensichtlich, der über Notsicherungsmaßnahmen hinaus ein restauratorisches Handeln erforderte. Nachdem alle Untersuchungsergebnisse vorlagen, wurde im Herbst 2004 mit der Notsicherung begonnen. Dabei galt es, die gravierenden Mörtel- und Malschichtablösungen durch Injektionen von geeigneten Materialien zu sichern, um ein gefahrloses Arbeiten im Dach während der Instandsetzung zu gewährleisten.
(c) Felix Kästle

Nachdem der Südturm der Basilika bereits in den Jahren 2002 bis 2005 saniert wurde, konnten der Nordturm und die Westfassade des Mittelbaus der Basilika instand gesetzt werden. Grundlage bildete zunächst eine Schadens- und Maßnahmenkartierung der Natursteinflächen. Weiter wurde eine Kartierung der Schäden an der Kupferblechdeckung des Nordturmes erstellt, um eine Kostenschätzung und Maßnahmenplanung aufzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit lag auf dem differenzierten Umgang mit den zahlreichen Kunst- und Natursteinvarietäten der umfangreichen Restaurierungsgeschichte am Objekt.

Vorausgegangene Restaurierungen mit ungeeignetem Materialeinsatz wie zementöse Antragungen in Kombinationen mit Beton sowie flächig hohlliegende Platten und hydrophobierte Bereiche machten eigene Konzepte zur Instandsetzung der Folgeschäden nötig. Eine besondere Herausforderung bestand darin, geeignete Ersatzmaterialien für die umfangreichen Steinaustauscharbeiten zu finden. Insgesamt wurden über 1.000 Werksteine erneuert. Durch Metallrestauratoren wurden die bauzeitlichen Zierelemente wie z.B. die Darstellung der Heilig-Blut-Reliquie auf dem Mittelbau instand gesetzt, Vergoldungen und farbige Fassungen wurden konserviert.

Nach der umfassenden Fassadensanierung an der Basilika sowie der Sanierung des Vikariats sollten gravierende Mängel und Schäden an Vorplatz und Treppe behoben und der Platz insgesamt neu gestaltet und aufgewertet werden.

Die alte Treppenanlage musste vollständig zurückgebaut werden. An ihrer Stelle entstand eine Treppenanlage mit integrierter behindertengerechter Rampe. Zu guter Letzt wurde der Platz selbst mit einem Natursteinpflasterbelag aus verschiedenen Steinformaten befestigt.

Bei den Untergrundarbeiten am Platz fand man Überreste eines mittelalterlichen Friedhofes sowie die Fundamente der Vorgängerbauten der Basilika. Diese wurden freigelegt und sorgfältig dokumentiert.
Zusammen mit einer neuen Beschilderung für den gesamten Martinsberg, einem Bronzetastmodell der Anlage sowie einer neuen Fassadenbeleuchtung für die Basilika ist das imposante Kulturdenkmal nun angemessen in Szene gesetzt und die BürgerInnen der Stadt Weingarten und Umgebung bekommen ihren beliebten Aussichtspunkt über der Stadt, am Fuße der Basilika zurück.

Quelle: https://www.bauforschung-bw.de/objekt/id/170888092020/basilika-st-martin-und-oswald-in-88250-weingarten/