Blutfreitag Aktuell

Wieder ein kleines „Blutrittle“ am Blutfreitag 2021

Ein feierlicher Gottesdienst mit dem Rottenburger Generalvikar Clemens Stroppel beschloss den diesjährigen Weingartener Blutritt am Freitag nach Christi Himmelfahrt. Zuvor ließen 13 Reiter in Frack und Zylinder mit ihren Standarten die Stadt hinter sich und zogen durch die Fluren. In ihrer Mitte ritt auch in diesem Jahr Dekan Ekkehard Schmid, der die Heilig-Blut-Reliquie trug. Coronabedingt war zum zweiten Mal nur eine sehr reduzierte Form der ansonsten größten Reiterprozession Europas mit über 2.000 Pferden möglich.

Über den Verlauf des „Blutrittle“, wie Dekan Ekkehard Schmid diese Form im vergangenen Jahr getauft hatte, zeigte er sich am Ende sehr zufrieden. „Der Blutfreitag kann klein sein oder groß oder anders – im Wesen bleibt er immer gleich“, betonte der Weingartener Basilikapfarrer.

© Kiechle

Seine langjährige tiefe Verbundenheit zum Blutfreitag brachte Generalvikar Clemens Stroppel bereits bei der Festpredigt am Vorabend zum Ausdruck. Er pilgerte in den vergangenen 33 Jahren meist zu Fuß von Rottenburg nach Oberschwaben und ritt dann bei der Blutreitergruppe Herbertingen als Geistlicher mit. Der gute Hirte, wie Jesus sich im Johannesevangelium selbst bezeichnet, sei einer, der sich um jeden einzelnen kümmere und der Verantwortung übernehme. „Er nimmt sich nicht, was er braucht, sondern gibt den Menschen, was sie brauchen“, erklärte der promovierte Theologe in seiner Predigt.

Schlechte Hirten gebe es genug. Stroppel verwies auf populistische Narzisten in der Politik oder Rattenfänger in der Gesellschaft, aber auch auf Kirchenleute, „die sich als Hirten gebärden, aber Missbraucher sind.“ Er forderte diese Verbrechen vorbehaltslos aufzuarbeiten, was auch strukturelle Veränderungen einschließe. Corona habe außerdem der Kirche das Festtagskleid ausgezogen. Für Stoppel bedeutet das aber trotzdem bleiben statt gehen. Kirche in dieser bescheiden fröhlicheren und demütig hoffnungsvolleren Gestalt brauche Menschen, die „sich in dieser Welt dem guten Hirten zur Verfügung stellen“ und andere spüren lassen: Es geht um dich.

Festpredigt

© Kiechle

Teilnahme der Frauen am Blutritt?!

Nach einem jahrelangen, intensiv geführten Diskussionsprozess, traf der Kirchengemeinderat St. Martin in Weingarten in seiner Sitzung vom 30.09.2020 folgenden Beschluss: „Wir überlassen es, ab dem Blutfreitag 2021, den einzelnen Blutreitergruppen, ob Frauen in ihren Gruppen mitreiten.“

Das Fragezeichen am Ende der obigen Überschrift betont also die grundsätzliche Ungewissheit, wie diese Entscheidungsoffenheit von den einzelnen Blutreitergruppen ausgelegt wird – ob sie der Teilnahme von Frauen in ihren Reihen zustimmen oder nicht. Doch das Ausrufezeichen zeigt auf, dass die Zeichen der Zeit erkannt worden sind und die Kirche mit der Öffnung des Blutritts selbst ein starkes Signal für mehr Gleichberechtigung für Frauen setzt.

Doch unabhängig davon wie die Entscheidung in den Blutreitergruppen ausfällt: „Im Zentrum stehen weiterhin das persönliche Glaubenszeugnis und die Einheit von Mensch und Tier als Geschöpfe Gottes im gewohnt feierlichen Erscheinungsbild. Damit werde die Tradition der Reiterprozession gewahrt, betont die Kirchengemeinde als Trägerin der Wallfahrt.“ Auszug aus der untenstehenden Pressemitteilung zu diesem Thema.

Hier zu diesem Thema nachzulesen:
Infobrief an die Blutreitergruppen
Presseerklärung von St. Martin