Blutfreitag Aktuell

Wieder Blutritt statt "Blutrittle"

Abt German Erd hält die diesjährige Festpredigt

© Stift Stams

Der Zisterziensermönch ging bereits selbst im Aufbaurealgymnasium Meinhardinum des Stiftes Stams zur Schule, in dem er ab 1984 Religion und Englisch unterrichtete und das er von 2002 bis 2011 leitete. Traditionspflege hält der 74-Jährige für wichtig. „Ich sehe Feste wie den Blutfreitag aber auch als Chance, viele Menschen wieder zum Hinterfragen der Bräuche anzuleiten und so einen Beitrag für die Glaubensverkündigung in unserer Zeit zu leisten“, betont German Erd, seit 2003 Abt des Stiftes Stams. Es sei daher schön, dass es diesen Brauch des Blutritts in Weingarten gebe und dass sich so viele Menschen darin einbrächten. Im Rahmen der Blutfreitagsfeierlichkeiten hält Abt German Erd an Christi Himmelfahrt um 20.30 Uhr die Festpredigt. Er wird dabei auch auf die Verehrung des Heiligen Blutes in Weingarten eingehen. „Das Vergießen des Blutes lässt niemanden kalt und weckt in uns allen Anteilnahme“, stellt der Festgast auch im Blick auf aktuelle Weltereignisse fest. Das Blut Jesu stehe für die Einheit mit ihm. „Er hat uns durch sein Blut erlöst aus allen verkehrten Bindungen an diese Welt und aus aller Verstrickung in das Böse“, unterstreicht der Ordensmann.Die Reiterprozession am Blutfreitag selbst wird Abt German Erd gemeinsam mit weiteren Ehrengästen vom Rathausbalkon verfolgen. Anschließend feiert er in der Basilika St. Martin gegen 11.30 Uhr das Pontifikalamt.

Erfreulicherweise kann der diesjährige Blutfreitag am Freitag, 27. Mai 2022 wieder weitgehend uneingeschränkt stattfinden.

© Kiechle

Als großer Bitt- und Wallfahrtstag passt der Blutfreitag mehr denn je in dieses Jahr mit all dem, was uns im Kleinen und Großen zu schaffen macht. Da Pilgern nicht nur Aufmachen und Unterwegssein bedeutet, sondern auch Ankommen, bietet die Kirchengemeinde wieder im Schatten der Basilika am Nachmittag von Christi Himmelfahrt ein Pilgercafé an. Ebenso gibt es Führungen durch die Basilika und ein Orgelkonzert der Gabler Orgel um 16.00 Uhr.

Die Festpredigt am Abend von Christi Himmelfahrt um 20.30 Uhr, die in diesem Jahr Abt German Erd vom Zisterzienserstift Stams in Tirol halten wird, und die anschließenden Lichterprozession zum Kreuzberg stimmt auf den Blutfreitag ebenso ein wie die Einladung zum stillen Verweilen vor der Heilig-Blut-Reliquie ab 22.00 Uhr in der dunklen, von Kerzen beleuchteten Basilika, umrahmt von leiser Orgelmusik sowie dem Heiligen Nächtle für Jugendliche und einem Nachtgebet mit Taizéliedern.

Von 1.00 Uhr bis 4.00 Uhr ist dann die Basilika geschlossen.

Mit der Reitermesse um 4.00 Uhr und der des Heilig-Blut-Reiters um 5.00 Uhr beginnt der Blutfreitag frühmorgens. Die erste gilt als „Reitermesse“, die zweite als „Musikermesse“, die immer von der Musikkapelle umrahmt wird, welche bei der Prozession dem Heilig Blut unmittelbar vorangeht. In diesem Jahr ist dies der Musikverein Oggelsbeuren.

Sowohl der feierlichen Übergabe der Heilig-Blut-Reliquie um 7.00 Uhr wie der Reiterprozession auf der klassischen Route durch Innenstadt und Ösch kann man wieder beiwohnen, um so den besonderen Segen dieses Tages am Weg empfangen zu können.

Ebenso der große Abschluss mit den mit Pferden und Reitern gefüllten Äußeren Klosterhof wie das abschließende festliche Pontifikalamt in der Basilika kann wieder mitgefeiert werden wie auch zuvor das Pilgeramt um 9.00 Uhr mit Spiritual Dr. Martin Schniertshauer vom Kloster Siessen.

Nach der Kreuzwegandacht um 15.00 Uhr kann jede und jeder bis 17.00 Uhr für seinen Weg zurück nach Hause und in den Alltag noch den Einzelsegen mit der Heilig-Blut-Reliquie empfangen.

Auch gibt es für dieses Jahr wieder den Festgruß zum Blutfreitag. Reich bebildert enthält er wieder neben dem genauen Programm und allen Hinweisen vor allem die Zugordnung des Blutritts. Für 1,50 Euro zugunsten des Blutfreitags ist er ab Christi Himmelfahrt rund um die Basilika zu erwerben.

Festpredigt

Antonia Schütterle aus Untereschach ist eine der ersten offiziellen Blutreiterinnen

© Valerie Schütterle

Antonia Schütterle ist ein ganz normaler Teenager. Sie unternimmt am Wochenende was mit Freunden oder mit der Familie, fährt im Winter Ski und wechselte vor knapp einem Jahr mit ihrer Klarinette im Musikverein Obereschach von der Jugendkapelle zu den „Großen“. Als Musikantin hätte die 18-Jährige in diesem Jahr somit erstmals am Weingartener Blutritt mitwirken können. „Aber für mich war klar, dass ich bei den Blutreitern mitgehe“, erklärt die junge Frau entschlossen. Im November 2020 machte die Weingartener Kirchengemeinde St. Martin den Weg grundsätzlich frei für die Teilnahme von erwachsenen Frauen am Blutritt – bisher eine Männerdomäne. Jede Gruppe sollte aber selbst darüber entscheiden können. In Eschach sei das kein Thema gewesen. „Die fanden das okay, dass wir mitreiten dürfen“, weiß Antonia von ihrem Vater. Somit gehört sie, nachdem 2021 wegen Corona keine Teilnahme möglich war, nun zu den ersten offiziellen Blutreiterinnen in der über 500-jährigen Geschichte der Weingartener Wallfahrt hoch zu Ross.
Ihr erster Blutritt ist das jedoch nicht. Premiere hatte Antonia Schütterle bereits vor zehn Jahren auf einem Pony. Seither war sie jedes Jahr im roten Gewand mit weißem Hemd dabei. Ministrantinnen sind nämlich schon seit einigen Jahren erlaubt. Die Blutfreitagstradition kennt Antonia von klein auf. „Für meinen Opa war es immer ein großer Tag und für meinen Papa auch“, erzählt sie. Der eine war jahrzehntelang Fahnenträger, der andere ist aktuell Gruppenführer der Eschacher Blutreiter. „Da hat man das intensiv mitgelebt“, ergänzt die Auszubildende zur Industriekauffrau in einem Tettnanger Textilunternehmen.Wobei sie als Kind richtig Respekt vor großen Pferden hatte. Das Reiten als Hobby habe sie erst entdeckt, als vor vier Jahren eine Fuchsstute bei ihrer Familie ein neues Zuhause bekam. Seither trainiert Antonia auch im Reitverein. „Da habe ich meine Angst verloren“, gesteht sie. Als sich 2019 altersbedingt das Ende ihrer Ministrantinnenzeit bei den Blutreitern abzeichnete, machte sich die Jugendliche schon so ihre Gedanken. „Wird das wohl das letzte Mal sein?“, überlegte sie sich und genoss nochmals das besondere Feeling, die vielen Pferde und auch das gemeinsame Beten auf den Fluren. Ihre künftige Rolle sah Antonia schon „unten“ bei denen, die alles für die Reiter vorbereiten. Nun freut sie sich sehr über die geänderten Bedingungen. „Wenn ich schon ein Pferd habe, dann möchte ich es auch selber reiten“, betont sie. Gelegenheit dazu hatte die junge Frau bereits beim Georgifest in ihrem Heimatort am 8. Mai. Dort ritt sie mit Rennschnepfe – den Namen hatte der Vorbesitzer ausgesucht – bereits an der Seite ihres Vaters, damals noch mit Helm, schwarzem Jackett und weißer Reiterhose sowie mit der für die Eschacher typischen gelb-weißen Schärpe. Den Zylinder hat sie schon. Nun wartet Antonia darauf, dass ihr neuer Gehrock bald geliefert wird. „Ich hoffe, dass er dann auch passt“, sagt sie. Denn auf das äußere Erscheinungsbild legen ihr Vater und die Blutreiterkollegen großen Wert. „Ordentlich gekleidet, nicht fünf Tonnen Makeup im Gesicht und die Haare zusammen“, nennt die zierliche junge Frau mit einem Augenzwinkern die gestellten Bedingungen. „Das kriegt man schon hin“, ist sie überzeugt. Was sie noch etwas üben muss, ist das Rosenkranzbeten. „So oft macht man das ja nicht“, gesteht Antonia, die auch „zu Fuß“ viele Jahre als Ministrantin in der Obereschacher Kirche diente und bis heute im Leitungsteam mitarbeitet. Der religiöse Aspekt der Wallfahrt zu Pferd ist ihr sehr wichtig. Ob es ein anderes Erlebnis ist als Ministrantin oder als Blutreiterin? „Ich glaube es nicht“, hofft Antonia Schütterle. „Ich freue mich jedenfalls darauf, das wieder alles so zu spüren.“
Beitrag: Markus Waggershauser

Hier zu diesem Thema nachzulesen:
Infobrief an die Blutreitergruppen
Presseerklärung von St. Martin